Talk am Dom

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Menschen - Themen - Standpunkte

2. Talk am Dom - 12.09.2012

Fulda (bpf). Eine Frau und vier Männer, die sich für Menschen engagieren, die Hilfe brauchen oder in Not sind, hatte Moderator Klaus Depta diesmal zum zweiten „Talk am Dom“ eingeladen: Anne Schmitz, die Missbrauchsbeauftragte des Bistums Fulda, Gebärdendolmetscher Werner Althaus von der Caritas, „E-fun-gelist“ und „Missio-Narr“ Arno Backhaus sowie Pfarrer Stefan Krönung aus Kassel und Dr. Reinhard Erös, der in Afghanistan Schulen für Jungen und Mädchen betreibt. Der christliche Liedermacher Backhaus sorgte mit seinen sozialkritischen Liedern auch für die passende musikalische Untermalung des Abends. Besonders betroffen machte der Bericht von Anne Schmitz, die von ihrer Begegnung mit Missbrauchsopfern erzählte und unter dem Beifall der Zuhörer betonte: „Was wir als Kirche hier tun, tun wir für die Betroffenen und nicht für unser Image.“


 

Werner Althaus

Arno Backhaus

Dr. Reinhard Erös

 

 
Pfarrer Stefan Krönung, dessen Pfarreien im Kasseler Norden von hoher Arbeitslosigkeit und 55 Nationalitäten geprägt sind, will jederzeit für eine „glaubwürdige Kirche“ angesichts der Not der Menschen einstehen. Entsprechend groß ist sein Engagement im sozialen und seelsorglichen Bereich, etwa mit Kleiderkammer und Mittagstisch. Er spricht von „Kinderschicksalen“, die ihm angesichts von Verwahrlosung und Gewalt besondere Sorge bereiten. Auch das „Urgestein der deutschen christlichen Rockmusik“, Arno Backhaus, engagiert sich für andere, so etwa Menschen mit ADS-Syndrom. Zu herzlichem Lachen brachte er das Publikum im Café Ideal mit Berichten von ungewöhnlichen Straßenaktionen wie z. B. einer „kostenlosen Umarmung“, mit denen er „Werbung für den lieben Gott“ macht. „Gott mag keine Schubladen“, betont er und ermutigt dazu, jede Begabung wertzuschätzen.

 


Fotos: Arnulf Müller


Angstfrei über ihr Schicksal sprechen zu können, ist laut Anne Schmitz Opfern sexuellen Missbrauchs, mit denen sie sich trifft, wichtig – und dass man ihnen glaubt, was sie erlebt haben. „Oftmals schämen sich Opfer für das, was mit ihnen geschehen ist“, hebt sie hervor. Auch wenn die Taten manchmal verjährt sind und der Täter verstorben ist, brauchen Betroffene Hilfe und Wertschätzung. Wichtig ist es ihr zu betonen, dass es zur Prävention solcher Taten einer „Kultur der Aufmerksamkeit“ bedürfe. Die Missbrauchswelle, die vor zwei Jahren über die Kirche hereinbrach, sei ein „Läuterungsprozess“ gewesen, der eine Haltung der Demut und Bescheidenheit bewirkt habe.

 

Pfr. Stefan Krönung

Anne Schmitz

 


An einigen Beispielen macht Werner Althaus seine Tätigkeit als Dolmetscher für Gehörlose deutlich – für das interessierte Publikum eine gute Gelegenheit, einige „Vokabeln“ dieser Sprache zu lernen. Und auch die Hilfsmittel, die gehörlose Menschen benötigen, – Althaus stellt einen Wecker mit Blitzlicht vor – geben Einblick in deren Alltag. Ganz verschiedene Schicksale haben die Menschen, mit denen er zu tun hat: Manche sind gehörlos von Geburt an, andere infolge einer Krankheit im Kindesalter, wieder andere seit dem Erwachsenenalter. Der laut Presse „beste Kenner Afghanistans“ in Deutschland, der ehemalige Bundeswehrarzt und -oberst Dr. Reinhard Erös, zieht die Zuhörerschaft mit seinen lebendigen Schilderungen aus dem kriegsgeplagten Land am Hindukusch in den Bann. Alle militärischen Interventionen gingen in die falsche Richtung, erläutert er. Seine 30 Schulen für 60.000 Kinder sieht er als einen Beitrag zum Frieden, den er mit seiner „Kinderhilfe Afghanistan“ und den Menschen vor Ort in den Dörfern leistet, um religiösen Fundamentalismus langfristig zu beseitigen.