Talk am Dom

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Menschen - Themen - Standpunkte

10. Talk am Dom - 22.09.2016

Jubiläumsausgabe - Zum 10. Mal "Talk am Dom" im IDEAL

(Fulda) Zum zehnten Mal bat Klaus Depta zum „Talk am Dom“ ins Café Ideal in der Bischofsstadt Fulda. Und erneut waren interessante Gäste mit spannenden Geschichten der Einladung gefolgt. Nachdenkenswertes und Unterhaltsames wurde den Gästen im voll besetzten Café Ideal geboten. Die große Zahl der Zuschauer zeigte, dass das Talkformat der Medienarbeit des Bistums Fulda ankommt und mit bereits der zehnten Auflage schon so etwas wie eine Talkshow-Institution in der Domstadt geworden ist, die weit über Fulda hinaus Aufmerksamkeit auf sich zieht. Dabei war auch diesmal die Bandbreite außerordentlich groß. Sie reichte von kirchlicher Familien klar positioniert und den Menschen zugewandt.


Moderator Depta führte in gewohnt lockerer Weise durch die Gespräche, die er mit dem Berliner Erzbischof Heiner Koch eröffnete. Ihn hatte es als Bischof zunächst von seiner rheinischen Heimat nach Dresden-Meißen, schließlich auf den Erzbischofssitz in der Bundeshauptstadt verschlagen. Wie er im Gespräch zugab, war dies durchaus eine deutliche Umstellung, denn im Osten des Landes ist der Katholizismus – und das Christentum insgesamt – keine prägende Größe, von ein paar Inseln abgesehen, wie Koch bemerkte. Aber zugleich ist dies für ihn auch eine seelsorgerische Herausforderung, die er auch gerne im politische Gespräch annimmt, wen er sich zum Beispiel auch mit Vertretern extremer Parteien trifft („Das rechte Spektrum ist im Osten sehr verbreitet, Aber ich habe keine Berührungsängste.“), um mit ihnen zu diskutieren, aber auch klare Position, zum Beispiel in der Flüchtlings- und Migrationsfrage, zu beziehen. Da gibt es eine Haltung, die für den Oberhirten nicht verhandelbar ist, weil alles andere unvereinbar mit der christlichen Lehre wäre. Dem Erzbischof geht es darum, auf die Menschen zuzugehen, ihre Sorgen nicht nur anzuhören, sondern auch anzunehmen und mit ihnen zuteilen, ihnen aber auch zugleich eine Perspektive aus dem Glauben heraus zu bieten. Das wir aber auch sichtbar in der Verantwortung Kochs innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz für den Bereich Ehe und Familie, wofür er sich leidenschaftlich engagiert. Bei der Familiensynode in Rom hatte ihn besonders fasziniert, dass es nicht so sehr um Beschlüsse, sondern um das miteinander sprechen ging. Dabei hat er auch keine Probleme damit, auf Einladung in Diskussionen die Reformation zu erklären, wenn er danach gefragt wird.


Johannes Günther

Dajana Herbst

Dr. Heiner Koch

 

Michael Kullinat

Mrs. Greenbird

 

 


Glauben ist tiefverwurzelte Grundüberzeugung


Sie sorgten nicht nur für musikalische Akzente im Programm, sondern stellten sich auch dem Fragen von Klaus Depta: Steffen Brückner und Sarah Nücken vom Folk-Duo Mrs. Greenbird, X-Faktor-Castingshow-Sieger von 2012. Ein Duo, das seit langem auch privat ein Paar ist, aber auf Reisen gerne in getrennten Zimmern nächtigt, weil dies eine Form der Rücksichtnahme sei, die der Beziehung guttue, wenn man sonst immer so eng zusammen sei. Dabei waren beide beruflich ehemals ganz anders orientiert: Steffen Brückner, Gitarrist und Sänger, war Mediendienstleiser, Sarah Nücken, Sängerin und Songwriterin, war Sozialpädagogin. Auch wenn sie ihre vorherigen Berufe und die dabei erlebten Glücksmomente, die sich oft in kleine Gesten zeigten, so Nücken, nicht missen möchten, haben sie doch in der Musik jetzt ihre Erfüllung gefunden.

Dass sie aus ihrem Christsein im Musikbusiness keinen Hehl machen, betonten beide immer wieder. Da sind beide auch unerschütterlich, weil jeder seine eigene Glaubenserfahrung gemacht hat und sich damit eine tiefverwurzelte Grundüberzeugung gebildet hat, zu der sie nicht von ihren Eltern gebracht worden waren, erzählen Sarah und Steffen. „Für uns ist das Selbstverständlich. Wir haben nur gute Erfahrungen damit gemacht“, sagten sie. Insofern ist Mrs Greenbird – ein sterbender grüner Papagei ist der Namensgeber gewesen – auch musikalische Botschafter für das Christsein, da Musik die verbindende Kraft sei. Kritik lassen sie nur zu von Menschen, die sie auch kennen, so Sarah.


Brückenbauen im Knast


Wenn er zur Arbeit kommt, schließen sich hinter ihm schwere Tore und Türen, die nicht jeder öffnen kann. Denn Michael Kullinat ist Seelsorger in der Justizvollzugsanstalt im nordhessischen Schwalmstadt. Kein Job, der einem so einfach in den Klamotten stecken bleibt, wenn der Arbeitstag zu Ende geht. Aber im Wesentlichen, so macht Kullinat deutlich, ist seine Arbeit bis hin zur Sakramentenvorbereitung und -spendung vergleichbar mit der, die Geistliche und Laienseelsorger in den Kirchengemeinden außerhalb der JVA leisten. Für die Gefangenen seien die Seelsorger wichtige Gesprächspartner, weil diese dem Gesprächsgeheimnis unterliegen. Dass es sich dabei aber um eine ganz spezielle Klientel handelt, weiß auch Kullinat, der in Schwalmstadt durchaus „schwere Jungs“ vor sich hat, die wegen Tötungsdelikten einsitzen. Angst hat er aber auch bei Einzelgesprächen keine, denn bisher waren seine Erfahrungen so, dass es bestenfalls verbale Auseinandersetzungen mit den Gefangenen gab. Bei Veranstaltungen wie Gottesdiensten oder bei projektbezogener Arbeit ist zudem immer ein Vollzugsbeamter dabei, der ein bisschen aufpasst.

Wichtig ist Kullinat auch in seiner Seelsorgearbeit, dass der Gefangene als Mensch wahrgenommen und gestützt wird. Dazu tragen auch die Vater-Sohn-Tage bei, die er organisiert. „Es geht dabei darum, eine Brücke zu den Kindern zu schlagen, damit sie ihren einsitzenden Vätern nicht entfremdet werden“, erklärt er. Allerdings räumt Kullinat auch ein, dass es durchaus Fälle gibt, wo selbst der Gefängnisseelsorger an den Gefangenen nicht herankommt. Auf die Frage, ob er denn gut schlafen könne, antwortet Kullinat, dass ihm seine Zeit in der Jugendseelsorge mehr schlaflose Nächte bereitet hätte. Im Knast ist es so, dass auch der Gefängnisseelsorger in Strukturen eingebunden ist, die ihm die Grundlage seiner Arbeit erleichtern.



 

 

Fotos: Dr. Arnulf Müller

 

Motivierte und kompetente Pflege ist Lebensqualität im Alter


Dass Pflege eben nicht jeder kann – auch wenn dies oft populistisch von Politkern formuliert wird –, ist das leidenschaftliche Credo von Dajana Herbst. Die Leiterin der Fuldaer Caritas-Altenpflegeschule kennt Pflege nicht aus der Theorie, sondern aus der Praxis – und genau das ist es, was sie an ihre Schülerinnen und Schüler weitergeben will. „Pflege ist anspruchsvoll und braucht Kompetenz“, so Herbst. Dabei differenziert sich Pflege und die damit verbundene Aufgabenstellung und Verantwortung, ob sie im Krankenhaus, wo ein Arzt in minutenschnelle zur Stelle sein kann, oder in der stationären oder ambulanten Altenpflege, wo das dann schon länger dauert. Dann ist die Pflegekraft noch stärker gefordert, mit ihrer Kompetenz und Können das Richtige zu tun. Es sei ein Unterscheid, ob man für eine kurze Zeit im Krankenhaus verweilt, oder ob man im Alter auf dauerhafte Pflege angewiesen ist. Im letzteren Fall geht es darum, „Lebenszeit für Lebensqualität zu gestalten“, sagte Herbst. Dabei sind die Aufgaben in der Pflege älterer Menschen sehr vielfältig, so die Schulleiterin.

Aber sie sieht auch ein Manko im Bewusstsein der Bevölkerung, was den dritten Lebensabschnitt angeht. Alter – Krankheit – Tod: diese Trias werde nur zu gerne aus dem Bewusstsein verdrängt, solange es einen selbst nicht betrifft. Und man müsse sich darüber im Klaren sein, dass dies auch Geld koste. Wer sich in der Altenpflege betätigen wolle, müsse hoch motiviert sein. Das fange schon mit den Dienstzeiten an, die auf persönliche Pläne oft keine Rücksicht nehmen, denn Pflege muss immer gewährleistet und erbracht werden.  Deswegen könne man auch nicht einfach jemanden dazu bestimmen, wie seinerzeit dieses den „Schlecker-Frauen“ empfohlen wurde, jetzt in die Altenpflege zu gehen, denn da würden Kräfte gebraucht. Ohne Motivation und Qualifikation sei dies nicht zu leisten, betonte Herbst, den dies entspreche auch dem Ethos des Pflegeberufes.


Wahrnehmung auf die Leistung lenken – statt auf die Behinderung


Frisch zurück von den Paralympics und gleich auf die Bühne des „Talks am Dom“ hieß es für Johannes Günther. Der Marburger Gymnasiallehrer für Religion und Sport ist seit zehn Jahren Nationaltrainer für die Behindertensportart Goalball, eine Art Sitz- und Rollball für Blinde, der mit einem mit Glöckchen gefüllten Ball gespielt wird. Er sprach von seinen Lernprozessen für seinen Trainerjob. „Ich hatte ja keine Erfahrung als Sportler in Goalball und musste da wirklich alles neu lernen“, sagte er. Ob denn eine eigene Olympiade für Menschen mit Behinderungen, die Paralympics, sinnvoll seien, wird Günther gefragt. „Darauf ist nur eine ambivalente Antwort möglich“, sagte er. Besser wäre es, die Olympischen Spiele und die Paralympics einander anzugleichen, ist er überzeugt. Außerdem wäre eine höhere Wertschätzung hilfreich, um den Wert der Paralympics zu erhöhen. „Es sind hier echte Spitzensportler, die echten Leistungssport betreiben“, betonte Günther. Dies verdiene auch entsprechende Anerkennung und Förderung. Daher sei es wichtiger und auch angemessener, die öffentliche Wahrnehmung nicht auf die Behinderungen, sondern auf die erbrachten Leistungen zu lenken. Zudem plädierte er für eine Stärkung der Inklusion in allen Bereichen, ob in den Schulen oder im Sport oder in der Gesellschaft. Um das Verständnis für Menschen mit Behinderungen zu stärken, würden sein Goalballspieler auch in Schulen gehen, um den nichtbehinderten Schülern zu erklären, was es bedeute, nicht sehen zu können.

Dass behinderte Sportler auch über eine ausgeprägte Sozialkompetenz verfügen, konnte Günther ebenfalls berichten. Auffällig war, dass die Menschen in Brasilien den Paralympics und deren Sportlern mit viel größerem Interesse und Begeisterung begegneten, als bei den vorangegangenen Olympischen Spielen. „Wir haben uns für ein Sozialprojekt in einem Armenviertel von Rio engagiert. Wir wollten so den Menschen helfen, die durch die Spiele Nachteile erlitten haben, durch die sie existenziell bedroht wurden“, erzählte Günther.


Text: Günter Wolf